Leseförderkonzept

„Wer zu lesen versteht,
besitzt den Schlüssel
zu großen Taten,
zu unerträumten Möglichkeiten“
Aldous Huxley (1894— 1963)

Die Weingartenschule am See liegt im Süden Dortmunds am Phoenix-See. Ein großer Teil unserer Schüler wächst in einem zwei- oder mehrsprachigen Elternhaus auf. Die Eltern unserer Schüler stammen aus verschiedenen Nationen. In zahlreichen Familien spielt die Schriftsprache – unabhängig von der Nationalität – eine sehr untergeordnete Rolle. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften gehören nicht selbstverständlich zum festen Bestandteil im familiären Alltag.

 

Vor diesem Hintergrund ergibt sich der Schwerpunkt unseres Lesekonzeptes:

Motivieren zum Lesen – Lesefreundliche Schule

Eine Lesekultur an unserer Schule zu entwickeln und zu etablieren, die alle Schüler erreicht, ist dabei unser Ziel. Wir wollen, dass unsere Schüler Lesen als selbstbestimmte lebensbegleitende Tätigkeit erfahren, die Ihnen vielfältige Chancen eröffnet.

 

1. Lesen an unserer Schule

Unter Lesen verstehen wir, dass der Schüler / die Schülerin nicht nur die Lesetechnik beherrscht, sondern auch die Inhalte des Textes verstehen und reflektieren kann – Lesen bedeutet also „sinnerfassendes“ Lesen.

Folgender Formulierung des Begriffes „Lesekompetenz“ schließen wir uns daher an:

„Lesekompetenz heißt, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiter zu entwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“ (OECD 2000).

Wir wollen erreichen, dass unsere Schülerinnen und Schüler

  • ihre Lesefertigkeit steigern,
  • über gute Lesefähigkeiten verfügen, die sie in die Lage versetzen, Texte sinnentnehmend zu erschließen,
  • über vielfältige Leseerfahrungen verfügen,
  • eine umfangreiche Lesemotivation aufbauen.

Diese Ziele bedingen sich wie ein Kreislauf gegenseitig und ermöglichen erfolgreiches Lernen auch in anderen Unterrichtsfächern.

 

2. Lesen im Unterricht

Lesen findet mehr oder weniger in allen Unterrichtsfächern statt und ist seit jeher von allergrößter Bedeutung. Wir haben in der folgenden tabellarischen Darstellung einen Überblick über das Lesen im Unterricht zusammengestellt:

Erstlesen

Methoden und Übungen
  •  Anlauttabellen
  • Lautierendes Schreiben
  • optische, taktile und akustische Analyse
  • Wahrnehmungsübungen
  • Spiele mit der Anlauttabelle
  • Lautabhörübungen
  • Lesespiele
  • Lesemalblätter
  • Silbenübungen
  • Bild- Wortzuordnungen
  • synthetische Übungen
  • Lesen automatisieren
  • Lesestrategien anbahnen
Texte/Material
  • Lesemalblätter
  • Fibeltexte
  • Bilderbücher / Kinderbücher
  • Mini-Lesehefte
  • Klassen- und Schulbücherei
  • Lesespiele
Weitere Maßnahmen
  • Vorlesezeit / Lesevorträge
  • Leseecke
  • Regelmäßiger Besuch der Schulbücherei
  • Besuch der Stadtteilbibliothek
  • Teilnahme an den schuleigenen Leseprojekten
Lernstandsfeststellung
  • Jahrgangsbezogene Lesediagnosen
  • Lesemalblätter
  • Beobachtung der Lehrerin (Beobachtungsbögen)

 

Weiterführendes Lesen

Methoden und Übungen
  • Wörterbucharbeit
  • Lektüren
  • Differenzierte Lesetexte
  • Lesestrategien
  • kreativer Umgang mit Texten
  • Informationen aus Texten entnehmen und verarbeiten
  • Bücher vorstellen
  • Gedichte lernen und gestalten
  • Antolin
Texte / Material
  • Lektüren
  • Texte aus Sprach-, Lesebüchern
  • Schulbücherei
  • Kinderbücher
  • Verschiedene Textgattungen (z. B. Sachtexte, Märchen,   Fabeln etc.)
Weitere Maßnahmen
  • Vorlesezeit / Lesevorträge
  • Klassenbücherei
  • Regelmäßiger Besuch der Schulbücherei
  • Besuch der Stadtteilbibliothek
  • Teilnahme an den schuleigenen Leseprojekten
  • Vorlesewettbewerb
Lernstandsfeststellung
  •  Jahrgangsbezogene Lesediagnosen
  • Antolin
  • Beobachtung der Lehrerin (Beobachtungsbögen)

Um eine differenzierte Leseförderung zu erreichen und die unterschiedlichen Kompetenzstufen zu berücksichtigen, achten wir bei der Auswahl der Schulbücher, Lektüren, Texte und Arbeitsmaterialien auf thematische und gattungsbezogene Ausgewogenheit und darauf, dass verschiedene Schwierigkeitsniveaus enthalten sind.

Durch die regelmäßige, verbindliche wöchentliche Nutzung der Schulbücherei, das Vorstellen ausgeliehener oder privater Bücher (z.B. Lesevorträge) entsteht zudem die Möglichkeit, sehr individuell auf Interessen und Leistungsstand der einzelnen Schülerin / des einzelnen Schülers einzugehen. Dieses individuelle Lesen ist fester Bestandteil unseres Unterrichts und kommt der großen Heterogenität unserer Lerngruppen entgegen.

Jede Klasse verfügt über eine Klassenbücherei. Die Schülerinnen und Schüler werden angehalten in bestimmten Phasen des Unterrichts Bücher aus der Klassenbibliothek auszuwählen, zu lesen und / oder sie zur Informationsfindung gezielt zu nutzen. Die Bücher sind an die Lesefähigkeit der Kinder angepasst.

Bereits im Erstleseunterricht werden die Schüler an verschiedene Lesestrategien herangeführt, die später vertieft und erweitert werden, um den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Texten zu zeigen (z. B. Vermutungen anhand der Überschrift anstellen, Überschriften finden, Texte in Abschnitte gliedern).

Das Thema „Lesen im Unterricht“ wird zudem im Rahmen von Elternabenden mit den Eltern besprochen.

 

3. Den Lernstand feststellen

Für jeden Jahrgang gibt es zu vier Zeitpunkten im Schuljahr eine verbindliche Lesediagnose. Diese Tests wurden vom Kollegium für die einzelnen Jahrgänge entwickelt. Mit Hilfe dieser Diagnosen erhalten die Klassenlehrerinnen Rückmeldungen über die Leseentwicklung der Schülerinnen und Schüler und können diese über das Schuljahr verfolgen und Fortschritte und Förderbedarfe ausmachen. Anhand des Auswertungsbogens kann die Klassenlehrerin sowohl den Eltern gezielte Fördermaßnahmen an die Hand geben als auch gezielte Hinweise für die eigene Förderung im Unterricht entnehmen.

 

4. Gezielt das Lesen fördern

Fördermaßnahmen für Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen

Kinder, die im Unterricht und / oder bei den Diagnosen auffallende Schwierigkeiten beim Lesen zeigen, werden im regulären Deutschunterricht und nach Möglichkeit auch in Förderstunden speziell unterstützt.

Fördermaßnahmen für Kinder mit Migrationshintergrund

Kinder mit Migrationshintergrund haben oft erschwerte Ausgangsbedingungen. Die Zweitsprache als Unterrichtssprache erweist sich als besondere Herausforderung. Eine altersentsprechende Ausbildung des Leseverstehens ist dadurch nicht immer gegeben.

Um diese Schülerinnen und Schüler gezielt fördern zu können, bestehen an unserer Schule Förderangebote, die sowohl im Unterricht verankert sind, als auch zusätzlich angeboten werden.

  • Gezielte Förderstunden in der Kleingruppe

Die Kinder erhalten die Gelegenheit, ihren deutschen Wortschatz zu erweitern, indem Begrifflichkeiten erklärt, spielerisch oder bildhaft dargestellt werden. Innerhalb der kleinen Lerngruppe bietet sich die Gelegenheit, offen und sachlich Verständnisschwierigkeiten zu beheben.

  • Bilderbuchkino

Kinder, die noch nicht über ausreichende Lesefähigkeiten verfügen, können so den Inhalt über die Bilder und das Gehörte erschließen. Die Kombination aus Lesen und Hören ermöglicht den Kindern, die Aussprache unbekannter Wörter zu erlernen und kann so die Sprachförderung unterstützen.

  • Hausaufgabenunterstützung

Die Hausaufgabenunterstützung ist ein Angebot für Kinder, die nicht im Rahmen der OGS betreut werden.

  • DaZ-Förderung

Eine DaZ-Förderung unter besonderer Berücksichtigung der Lesekompetenz findet durch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin statt.

Fördermaßnahmen für „leseunlustige“ Kinder

„Leseunlustige“ Kinder versuchen wir in unserer Schule auf vielfältige Weise zum Lesen zu motivieren. Hierzu gehören:

  • regelmäßiges Vorlesen in der Frühstückspause
  • Buchvorstellungen im Klassenverband
  • Leseereignisse wie schuleigene Leseprojekte
  • Arbeit mit „Antolin“
  • wöchentliche „Lesestunde“
  • das große Angebot an ausleihbaren Büchern zu den verschiedensten Themen (Sachbücher, mädchen- und jungenspezifische Literatur) und mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad

 

Fördermaßnahmen für leistungsstärkere Kinder

Schülerinnen und Schüler, deren Lesekompetenz bereits sehr gut ausgebildet ist, werden auf vielfältige Art und Weise gefördert und gefordert:

  • Nutzung des Büchereiangebots
  • Lesevorträge in den eigenen Klassen halten
  • Vorstellung des Lieblingsbuchs in der Klasse (durch bspw. Plakate, Inhaltsangabe des Buches, Lesetagebuch)
  • Nutzung des Programms „Antolin“
  • Die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen nehmen an einem Lesewettbewerb teil. In Kooperation mit den umliegenden Kindertagesstätten lesen die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen Vorschulkindern etwas vor. So erhalten sie die Möglichkeit, auf den Lesewettbewerb vorbereitet zu werden
  • Selbstständige Arbeit mit Leseheften als Freiarbeitsmaterial

 

5. Lesen fördern mit den neuen Medien

In Ergänzung des Leseunterrichts setzen wir gezielt auch neue Medien ein, da diese unsere Schülerinnen und Schüler hoch motivieren und ein individuelles Lernen und Fördern ermöglichen.

Zur Leseförderung nutzen wir das OnIine-Programm „Antolin“ des Schroedel-Verlages. AntoIin bietet die Möglichkeit Lesen in der Schule und am Nachmittag zu verbinden. So erhält jedes Kind einen Zugangscode mit dem es Quiz-Fragen zu einer breiten Auswahl von Kinderbüchern beantworten kann. Durch die Auswertung der Quiz-Fragen erhält die Lehrkraft einen Überblick über das Textverständnis und die Leseleistung der Schülerinnen und Schüler.

Für die Arbeit mit dem Programm sind ein PC sowie ein lnternetzugang nötig. Die Kinder erhalten regelmäßig die Möglichkeit an den schuleigenen PCs mit „Antolin“ zu arbeiten.

Weitere Infos:.www.antolin.de

Zudem werden die Kinder angehalten, sich Themen des Sachunterrichts auch unter Zuhilfenahme des Internets zu erschließen. Themen wie z.B. Tiere, Wikinger u.ä. können durch gezielte Suche im Internet auf kindersicheren Seiten weiter vertieft werden.

 

6. Zum Lesen motivieren und aktivieren

Ein Schwerpunkt unseres Lesekonzeptes ist es, Kinder zum Lesen anzuregen und ihnen Freude am Lesen zu vermitteln. Wir möchten bei ihnen neue Interessen wecken und bereits vorhandene Interessen aufrechterhalten und ausbauen. Folgende Bausteine an unserer Schule tragen zur Lesemotivation bei:

 

12 Bausteine zur Motivation und Aktivierung der Lesefreude

 

1. Baustein: anregende Leseumgebung in den Klassen

2. Baustein: Ritualisierte Lesezeiten in der Klasse (individuelle Lektüre / Lesevortrag)

3. Baustein: Kooperationen mit der Stadtteilbibliothek Hörde

4. Baustein: Nutzung der „Lesefreunde“ (Schülerbücherei)

5. Baustein: Klassenlektüren mit differenzierten Leseplänen

6. Baustein: Regelmäßige Durchführung von Lesediagnosen (vier Mal im Schuljahr)

7. Baustein: „Ohrenkinos“ (zwei Mal im Schuljahr)

8. Baustein: computergestütztes Leseprogramm (z.B. Antolin)

9. Baustein: Teilnahme am „Bundesweiten Vorlesetag“

10.  Baustein: „Tag des Buches“ (Projekttag zum Thema Lesen)

11.   Baustein: Projekt „Schulticker“

12. Baustein: Teilnahme an Vorlesewettbewerben

 

7. Kooperation mit andern Institutionen

Da die Weingartenschule am See einen Kooperationsvertrag mit der Stadtteilbibliothek Hörde hat, stellt uns diese auf Wunsch kostenlos Bücherkisten zu verschiedenen Themenbereichen zusammen und zur Verfügung.

Dieses Angebot wird hauptsächlich von dem Kollegium für sachunterrichtliche Themen genutzt. Ein Anruf unter der Telefonnummer: 0231/1286078 genügt und innerhalb von zwei bis drei Tagen wird eine Bücherkiste von ca. 10 bis 30 Büchern gefüllt, die dann zu den entsprechenden Öffnungszeiten in der Hermannstr. 33 abgeholt werden kann. Die Ausleihfrist beträgt einen Monat, werden die Bücher länger benötigt, kann die Ausleihfrist auch telefonisch verlängert werden.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtteilbibliothek umfasst des Weiteren

  • Rallyes (Kennenlernen und erkunden der Bücherei)
  • Klassenführungen
  • Autorenlesungen
  • Unterstützung bei der Einrichtung unserer Schulbücherei

Eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit den beiden ortsansässigen Buchhandlungen. Sie unterstützen uns bei Neuanschaffungen und durch verschiedene Aktionen der Verlage wie z.B. die „Lesetüte“ für die Schulanfänger. Bei verschiedenen Schulveranstaltungen gibt es auch immer wieder Büchertische die Anregungen für die Eltern sein sollen.

In Klasse 4 nimmt unsere Schule am Schultickerprojekt der Ruhrnachrichten teil. Das Projekt läuft über ein gesamtes Schuljahr. Auf diese Weise können sich die Schüler der 4. Klassenstufe ohne Druck mit der Tageszeitung und allen anderen Projektbestandteilen beschäftigen. Täglich erhält jede Klasse drei Exemplare der Tageszeitung und zusätzlich bekommt jeder Schüler in einer sechswöchigen Kernzeit sein eigenes Exemplar.

Die Kinder lernen so den Aufbau einer Zeitung, unterschiedliche thematische Bereiche, Layout und Inhalte kennen. Sie verfassen eigene Artikel zu selbstgewählten Themen und erstellen ggf. eine eigene Klassenzeitung. Falls möglich, besuchen wir das Druckzentrum in Dorstfeld wo die Kinder erleben wie aus einer riesigen weißen Papierrolle eine fertige Tageszeitung entsteht.